Teilprojekt 4:

Petra Baisch

Schülervorstellungen bezüglich tragender ökologischer Konzepte verbunden mit der Frage nach einer grundlegenden ökologischen Bildung für die Primarstufe

 

Spätestens seit der Rio-Konferenz 1992 bestimmt der Schlüsselbegriff der Nachhaltigkeit die Umweltdebatten auf allen Ebenen. Besinnt man sich auf den Ursprung dieses vielfach als Schlagwort gebrauchten Prinzips, wird deutlich, dass dieses eindeutig eine ökologische Basis hat. Beruft man sich dabei doch auf eine ursprünglich aus der Land- und Forstwirtschaft stammende Grundregel, „... nämlich dem Wald niemals mehr natürliche Ressourcen zu entziehen als auf natürliche Weise nachwachsen kann.“ (Bolscho/Seybold 1996, S. 65). Die Einsicht in grundlegende ökologische Konzepte (wie z. B. Stoffkreisläufe, Energiefluss und Vernetzung) und ein Bewusstsein für die Komplexität der Zusammenhänge dienen somit als Voraussetzung für ein „wirkliches“ Verständnis des Prinzips Nachhaltigkeit, da „das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung primär ökologisch determiniert ist“ (Kap. 8-22 der Agenda 21(vgl. BMU o. J., S. 5/6)). In bildungspolitischer Hinsicht schlägt sich diese Erkenntnis im Kapitel 36 der Agenda 21 nieder, welches eine „Neuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung“ fordert und die „Schaffung eines ökologischen Bewusstseins“ als eine der Zielkategorien definiert. Als eine weitere Voraussetzung für umweltgerechtes Handeln betont der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen, das grundlegende Verstehen des umweltethischen Prinzips der Retinität als ökologische Schlüsselqualifikation (Umweltgutachten des Rats von Sachverständigen für Umweltfragen 1994, S. 164f).

 

Auf der Basis dieser Überlegungen ergibt sich die Forderung nach einer ökologischen Elementarbildung bereits in der Primarstufe - im Sinne der Vermittlung ökologischer Grundlagen und tragender Konzepte, an relativ einfach strukturierten Systemen – quasi als Grundoption für zukünftige Umweltbildung (vgl. Gärtner/Hellberg-Rode 2001, S. 112; Bolscho/Seybold 1996). Der Bildungsplan der Grundschule fordert explizit die Vermittlung ökologischer Zusammenhänge und die Auseinandersetzung mit den tragenden Konzepten (Ministerium für Kultus und Sport 1994, S. 10; 22). Insbesondere dem Sachunterricht kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Setzt man sich allerdings intensiver mit den Aussagen des Bildungsplans auseinander, wird deutlich, dass die Formulierungen unscharf und allgemein gehalten sind und eine ganze Bandbreite möglicher Interpretationen zulassen. Unsicherheit besteht somit noch in der Operationalisierung einer ökologischen Elementarbildung. Die Frage, welche Aspekte und Inhalte im Hinblick auf eine ökologisch fundierte Grundbildung vermittelt werden sollen und können, ist noch weitgehend ungeklärt. Legt man die Conceptual-Change-Theorien zugrunde, nach denen SchülerInnen aktiv ihre vorhandenen Präkonzepte verändern müssen, um adäquatere, wissenschaftliche angemessenere Konzepte aufbauen zu können (Möller 2001; Duit 1997), muss die Frage nach den Vorstellungen der SchülerInnen bezüglich ökologischer Konzepte, den Ausgangspunkt für die Strukturierung von Lehr-Lernprozessen bilden. 

 

Charakterisierung des Forschungsvorhabens

Im Rahmen dieser Studie soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit bereits Kinder im Grundschulalter in der Lage sind, ökologische Grundeinsichten und tragende Konzepte zu verstehen bzw. tragfähige Vorstellungen zu entwickeln. Dazu sollen zunächst Schülervorstellungen mit Hilfe halbstandardisierter Interviews bezüglich ausgewählter ökologischer Konzepte (insbesondere Stoffkreislauf) erhoben werden, um anschließend der Frage nachzugehen, ob sich diese durch ein konkretes unterrichtsähnliches Vorhaben verändern bzw. erweitern lassen.

 

Darüber hinaus sollen Überlegungen angestellt werden, welche Elemente für eine  ökologische Elementarbildung in der Grundschule konstitutiv sein könnten, um den Forderungen nach einer Umweltbildung im Kontext nachhaltiger Entwicklung gerecht zu werden.

 

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