Teilprojekt 6:

Stephan Schuler

Schülervorstellungen zu Treibhauseffekt und globalem Klimawandel – Strukturwissen und globales Verantwortungsbewusstsein

 

Globale Umweltprobleme tragen mit dazu bei, dass Menschen sich in ihrem lokalen Handeln heute weltweit als aufeinander bezogen wahrnehmen und somit eine Art „kosmopolitisches Alltagsbewusstsein“ (U. Beck) entwickeln können. Das Risiko eines durch den anthropogenen Treibhauseffekt verursachten globalen Klimawandels ist dafür

ein besonders prominentes Beispiel. Da die Globalität dieses Problems keinesfalls bedeutet, dass die Risiken weltweit homogen verteilt sind, werden dadurch nicht nur Fragen nach der intergenerationalen Gerechtigkeit, sondern zugleich auch nach der Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd aufgeworfen. Damit ist das Thema gleichermaßen prädestiniert als Gegenstand Globalen Lernens wie auch einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Bereits seit vielen Jahren ist das Thema Treibhauseffekt fester Bestandteil der Lehr- und Bildungspläne. Im Lichte dieser beiden aktuellen pädagogischen Konzeptionen stellt sich allerdings die Frage, in welcher Form dieses abstrakte und komplexe Thema im Alltagsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler tatsächlich repräsentiert ist. Welche Problemsicht, welche Bedrohungswahrnehmung und welche Art von Verantwortungsbewusstsein haben Jugendliche in Bezug auf die globalen Folgen auch des eigenen lokalen Handelns?

 

Im Rahmen dieses Projektes werden Schülervorstellungen zu Treibhauseffekt und globalem Klimawandel untersucht. Die theoretische Konzeption umfasst in Anlehnung an einen Ansatz von Hoff  (1999) drei Bestandteile: Strukturwissen, Kontrollvorstellungen und sowie Wert- und Moralvorstellungen.

Im Mittelpunkt stehen drei Fragestellungen:

  1. Wie nehmen die Schüler die globalen Problemzusammenhänge wahr und inwiefern sehen sie darin Bezüge zu ihrem lokalen Alltag? (à Strukturwissen, subjektive Theorien)
  2. Wie bewerten sie die globale Situation insgesamt und welche Moralvorstellungen haben sie in Bezug auf problemlösendes Handeln? (à Wert- und Moralvorstellungen)
  3. Welche Vorstellungen haben die Schüler vom Einfluss ihres eigenen Handelns auf die Lösung globaler Probleme? Wie sehen sie diesbezüglich den Einfluss anderer Akteure? (à Kontrollvorstellungen)

 

Die untersuchten Alltagstheorien umfassen sowohl sozial- als auch naturwissenschaftliche Aspekte und Zusammenhänge des Themas. Neben atmosphärischen Prozessen, Ursachen und Auswirkungen von Treibhauseffekt und Klimawandel werden insbesondere auch Vorstellungen zur Rolle der Entwicklungsländer als Verursacher und Betroffene sowie interdisziplinäre Bezüge zu anderen globalen Problemen erhoben.

 

Befragt werden Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II aus 9 Schulklassen in Baden-Württemberg. Um auch komplexe Zusammenhänge im Alltagsdenken erheben zu können, wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das sich am Forschungsprogramm Subjektive Theorien (Groeben et al. 1988) orientiert.  Im Zentrum stehen Leitfadeninterviews, für die eine Methode simultaner Visualisierung entwickelt wurde, die auch die Erhebung von subjektiven Theorien größerer Reichweite gestattet.

Vor den  Interviews wurde eine schriftlich-qualitative Befragung von 130 Schülerinnen und Schülern durchgeführt, die als Basis für das Interviewsampling dient und eine Grobanalyse mit größerem Stichprobenumfang ermöglicht.

Die Untersuchung ist als Kooperationsprojekt mit der PH Schwäbisch Gmünd (Prof. Dr. H. Seybold) und dem Institut für Geographie der Universität Duisburg (Prof. Dr. W. Habrich) angelegt.

 

Zitierte Literatur:

Beck, U. (1997): Was ist Globalisierung? Edition Zweite Moderne. Frankfurt/Main.

Hoff, E.-H. (1999): Kollektive Probleme und individuelle Handlungsbereitschaft. Zur Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein. In: Grundmann, M. (Hg.): Konstruktivistische Sozialisationsforschung. Frankfurt a. M. S. 240-266.

Groeben, N., Wahl, D., Schlee, J., Scheele, B. (1988): Das Forschungsprogramm Subjektive Theorien. Tübingen.

 

 

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